Der Super-GAU für die Donau

Umwelt & Verkehr

Niederalteich/Osterhofen. Mit dem Radl erkundete die SPD-Landesgruppe mit ihrem Vorsitzenden Martin Burkert und mit SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold die noch frei fließende Donau bei Niederalteich. Dazu führten sie Gespräche zum Thema „Donauausbau“ mit den Vertretern der Naturschutzverbände Bund Naturschutz in Bayern (BN), Dieter Scherf und Georg Kestel, und Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) Dr. Christian Stierstorfer.

Georg Kestel vom BN schilderte die ökologische Vernetzung der Donau, die die unterschiedlichsten Lebensräume vom Hochgebirge bis zum Meer miteinander verbindet. Zugleich entwickelt die Donau als Flusslandschaft große Dynamik durch schwankende Wasserstände, Abtragen und Anlanden und erhält und verändert so die unterschiedlichsten Lebensräume, vom Uferbereich bis hin zum Auwald. Die Donau beherbergt in ihrem Flussbereich eine Vielzahl von Vogel-, Fisch-, Muschel- und Schneckenarten, viele davon sind autochthon, d. h. sie haben sich in der Donau entwickelt. Der geplante Ausbau mit der Staustufe ist der „Super-GAU“ für die Donau als Lebensraum.

Der Bau von Staustufen, wie bei der Variante C 2.80 bei Aicha geplant, unterbricht jegliche Flussdynamik und zusammen mit dem Rückstau, insbesondere bei Niedrigwasser, bis über die Isarmündung hinaus und zerstört, die für die Donau so typische Fluss- und Auenlandschaft durch die schwankenden Wasserstände. Der Bau der Staustufe, verharmlosend „Stützschwelle“ genannt, ermöglicht der Rhein-Main-Donau AG (RMD), einer Mehrheitstochter von E.ON, durch die Energiegewinnung im geplanten Schleusenkanal, Einnahmen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, gemäß dem Konzessionsvertrag von 1921, der noch bis 2050 läuft.

Um eine Fahrrinnentiefe von 2,80 m zu erreichen, sind außerdem erhebliche Abbaggerungen notwendig, was zu weiter sinkenden Grundwasserspiegeln führen wird und so früher oder später weitere Staustufen erfordert, wie in der Variante D2 bei Waltendorf und Pleinting bereits geplant.

Auch die Variante A greift stark in die natürliche Flussdynamik, mittels Bunen und künstlichen Inseln, ein und für eine Fahrrinnentiefe von 2,20 m sind ebenfalls Abbaggerungen notwendig. Aber im Gegensatz zu den Varianten C 2.80 oder D2, die die Donau zum tristen Kanal machen, bleibt hier der freie Fluss erhalten, was aber auch ökologische Optimierungsmaßnahmen erfordert.

Die Kosten-Nutzen-Bilanz ist mehr als ernüchternd, darin sind sich die Naturschutzverbände und die SPD einig. Die Baukosten von ungefähr einer Viertel-Milliarde Euro bei den Varianten C und C 2.80 stehen in keinem Verhältnis zum möglichen Gütertransport von ca. 11,5 Mio. Tonnen pro Jahr, nach den letzten Prognosen. Immerhin ermöglicht die Variante A 10,9 Mio. Tonnen, bei ca. 110 Millionen Euro Baukosten. Auch ist der Bereich zwischen Straubing und Vilshofen bei weitem nicht der einzige Engpass auf der Donau; über 1.400 km entsprechen nicht dem „Ausbauziel“ von „ganzjährig 2,50 m“.

Dazu kommt, dass die Millionen-Kosten für die „Wasserstraße Donau“ kaum Nutzen für die regionale Wirtschaft bringen. Deshalb zeigt sich eindeutig, dass allein die RMD durch die Einnahmen aus der Energiegewinnung der große Nutznießer der allgemeinen Umwelt- und Lebensraumzerstörung sein wird. Kritisch ist auch, dass eine Tochterfirma der RMD als Bauherr für die Bundesrepublik Deutschland auftritt, das ist fast wie in einer Bananenrepublik, so die Donauschützer. Zudem werden der Monitoringgruppe wichtige Fakten und Informationen vorenthalten.

Foto: Die SPD-Landesgruppe im Deutschen Bundestag informierte sich aus erster Hand über die Auswirkungen des geplanten Ausbaus der Donau zwischen Straubing und Vilshofen: Martin Burkert, Marianne Schieder und Heinz Paula (v.li.n.re.).

 

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