Sozialbericht zeigt Wirkungsketten der Armut auf

Landespolitik

Zu einem Pressegespräch hatten die niederbayerischen SPD-Landtagsabgeordneten eingeladen, um den Landessozialbericht aus sozialdemokratischer Sicht zu erläutern. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Johanna Werner-Muggendorfer (Kelheim) machte deutlich, dass nun klar sei, dass die Staatsregierung den Bericht, der seit 10 Jahren überfällig war, bis nach den Wahlen zurückgehalten habe, da er kein „Ruhmesblatt“ sei. Gerade für Niederbayern fallen manche Zahlen ernüchternd aus. Die niederbayerischen SPD-Abgeordneten fordern „gleichwertige Lebensbedingungen“ auch für Niederbayern ein.

Vor allem die Auswirkungen der Kürzungspolitik von 2004 werden im neuen Sozialbericht deutlich - zwischen 2003 und 2005 ist das Armutsrisiko, insbesondere von Alleinerziehenden und Paaren mit Kindern gestiegen.

Das Thema Armut ziehe sich durch alle Bereiche und zeige auf, welche „Wirkungsketten“ sich ergeben:

Mangelnde Bildungsangebote ergeben später geringere Löhne und Gehälter. Daraus folge soziale und finanzielle Armut und eine geringere Wertschöpfung in den Familien. Am Ende des Arbeitslebens stünden niedrige Renten und eine geringere Lebenserwartung, fasste MdL Reinhold Perlak zusammen.
Das Armutsrisiko für bayerische Rentnerinnen und Rentnern liegt bei über 18 Prozent. Die wirtschaftliche Situation älterer Menschen (65 Jahre und älter) lag insgesamt rund 11 % unter jenem der Haushalte mit einem Haushaltsvorstand unter 65 Jahren. Trotz hohem Armutsrisiko nehmen nur 2,3 % der 65 jährigen und Älteren am Ende des Jahres 2006 Leistungen der Grundsicherung in Anspruch. Die steigende Anzahl von „Tafeln“ mache auch in Niederbayern deutlich, dass Menschen von ihrem Lohn oder ihrer Rente nicht mehr leben können.
Dass die Schere immer weiter auseinanderklafft, zeigt, dass 20 Prozent der vermögensstärksten Haushalte in Bayern über 61, 1 Prozent des Gesamtvermögens verfügen. Dagegen verfügen 50 % der Haushalte nur über einen Anteil von 6, 1 Prozent am Gesamtvermögen, beklagte MdL Bernhard Roos.
Für die Sozialdemokraten ist die Bevölkerungsentwicklung besorgniserregend: Für den Landkreis Regen prognostiziert das Landesamt einen Rückgang der Bevölkerung bis 2028 um 13 Prozent, im Landkreis Freyung-Grafenau um 11,3 Prozent.
Das wird viele Auswirkungen haben, eine davon ist der Kaufkraft-Verlust. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat errechnet, dass von den 25 Kreisen und kreisfreien Städten (bundesweit), die am meisten Boden verlieren, 14 in Bayern liegen, dazu gehören: Freyung-Grafenau, Regen, Rottal-Inn, Passau und Deggendorf.
Für Niederbayern hat der verschleppte Landessozialbericht ans Licht gebracht, dass die ländlichen Regionen Bayerns von der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Bayerns abgehängt werden. Das verfügbare Einkommen je Einwohner in Oberbayern liegt bei 21.082,- Euro, während es in Niederbayern nur 17.495,-Euro beträgt. Die durchschnittliche Altersrente für Männer beträgt in Oberbayern 1002,-Euro während sie in Niederbayern nur 899,-Euro beträgt. Um langfristig aus der Armutsfalle im Alter zu entfliehen, sind flächendeckende Mindestlöhne unverzichtbar, fordern die niederbayerischen Abgeordneten.
Der 2. Landessozialbericht zeige deutlich, wer in einem Regierungsbezirk außerhalb Oberbayerns wohne, werde von der Staatsregierung benachteiligt.
„Die Infrastrukturpolitik der Staatsregierung bedeutet in der Regel, dass mit der Wurst nach der Speckseite Oberbayerns geworfen wird“, umschrieb es die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer bildlich.
In der Bayerischen Verfassung sind „gleichwertige“ Lebensbedingungen in allen Landesteilen Bayerns gefordert – wie der 2. Landessozialbericht zeigt, sind diese nicht erreicht worden, daran muss gearbeitet werden, will man für ein gerechtes Bayern eintreten. Muggendorfer, Roos und Perlak fordern die Staatsregierung auf, die Sozialberichterstattung ständig fortzuschreiben und nicht wieder 10 Jahre ins Land gehen zu lassen.

Foto v. l. n. r.: die niederbayerischen SPD-Landtagsabgeordneten Bernhard Roos, Johanna Werner-Muggendorfer und Reinhold Perlak

 

Homepage SPD Bezirk Niederbayern

 

WebsoziCMS 3.9.9 - 001847931 -

Termine Unterbezirk Landshut

Weitere Termine im Menü Termine SPD Unterbezirk . Informationen bei Theresa Bergwinkl, Tel. 0871-25259 Landshut Unterbezirksgeschäftstelle im AWO Mehrgenerationenhaus, Ludmillastr. 15a. E-mail: Theresa.Bergwinkl@spd.de


25.07.2016: Montag 19.30 Uhr  UB-Konferenz mit Neuwahlen, Gasthof Zur Kraxn, Ergolding / Landshut.


 

Besucherstatistik

Besucher:1847932
Heute:87
Online:2
 

Aktuelle-Artikel

 

Wetter-Online

Schuldenuhr der BayernLB

Informationen

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de